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Moderne Dieselfahrzeuge und die Panamericana

Eigentlich wäre uns das mit dem Diesel gar nicht so aufgefallen auf unserer Reise nach Panama.

In Kanada und den USA gibt es überall Diesel in Qualitäten, wie wir es von zuhause gewohnt sind. Auch in Mexiko haben wir uns keinerlei Gedanken dazu gemacht. Dann nach mehr als 7 Monaten unterwegs, habe ich durch Zufall an einer Tankstelle von UNO in Guatemala etwas von ULSDiesel gelesen. Das bedeutet „Ultra Low Sulphur Diesel“. Also Diesel mit extrem niedrigen Schwefelgehalt.

Das hat mich etwas stutzig gemacht. Warum sollte man das extra anschreiben??

Aus Europa weiß man auf jeden Fall, dass der Sprit seit Ewigkeiten schon bleifrei ist (seit 1996, um genau zu sein). Des weiteren steht beim Diesel in Deutschland auch immer schwefelfrei. Könnte es also sein, dass die Schwefelwerte hier in Lateinamerika normalerweise höher sind?

Und tatsächlich, nach kurzer Recherche stellt sich heraus, dass der Schwefelgehalt von Diesel in Lateinamerika meist bei 500ppm (parts per million) liegt. Der EU-Kraftstoff nach EN-590 Norm hat mit 10ppm nahezu keinen Schwefel (daher die Bezeichnung schwefelfrei).

 

* mit dem Stern markierte Links sind Affiliate-Links.

Dieselqualität?

Wie schon in der Einleitung geschrieben, hat man in Kanada und den USA kein Problem damit qualitativ hochwertigen Diesel zu finden. Im Rest Lateinamerikas sieht das schon anders aus. Darauf werden wir später noch näher eingehen.

Wenn wir hier von Dieselqualität schreiben, dann beziehen wir uns in diesem speziellen Fall nur auf den Schwefelanteil im Diesel.

Ein weiterer Aspekt der Qualität von Kraftstoffen sind Verunreinigungen durch z.B. Wasser, Schwebstoffe und andere Kraftstoffe. Dieser Problematik kann man recht problemlos entgegenwirken, indem man nur bei Markentankstellen tankt. Auch wenn die Preise hier etwas höher sind. Meist bekommt man eben, was man bezahlt. Wer also am Straßenrand aus großen Kanistern Diesel kauft, muss damit rechnen, dass die Qualität nicht besonders gut sein wird.

 

 

Was ist das Problem mit dem Schwefel?

Unser Sprinter von 2015 erfüllt die Abgasnorm EURO5. Wir haben uns extra gegen einen neueren EURO6 entschieden, da wir bereits wussten, dass es mit dem AdBlue nach Mexiko schwierig werden könnte.

Aber auch ein EURO5 verfügt über einen Dieselpartikelfilter (DPF) und ein Ventil zur Abgasrückführung (AGR-Ventil). Beides Systeme, die den Schadstoffausstoß reduzieren. Im normalen Betrieb in Europa kein Problem.

Übrigens auch EURO4-Motoren mit grüner Plakette verfügen über einen DPF. Die haben also dasselbe Problem.

Im Handbuch findet man auch einen Hinweis zur erforderlichen Dieselqualität. Bei Motoren ab EURO4 fordert Mercedes: max. 50ppm Schwefel im Diesel.

Tankt man Diesel mit höherem Schwefelanteil, kann dies zu Schäden am Motor und der Abgasanlage führen. (So der ungefähre Wortlaut des Handbuchs).

Früher war der höhere Schwefelanteil erforderlich. Der Schwefel übernahm eine wichtige Rolle im Motor, nämlich einen Teil der Schmierung. Mit den immer strenger werdenden Abgasvorschriften wurde der Schwefelanteil stetig reduziert. Damit die erforderliche Schmierung erhalten bleibt, werden den modernen Dieselkraftstoffen entsprechende Additive zugefügt. Logischerweise wurden die Motoren und alle Bauteile daraufhin in Europa ausgelegt und kommen jetzt mit den höheren Schwefelanteilen nicht mehr zurecht.

Einen guten Bericht zu dem Problem findet man vom Magazin Matsch&Piste hier.

 

Dieselpartikelfilter (DPF)

Der Name ist sehr beschreiben. Der DPF filtert also Partikel aus den Abgasen. Das funktioniert vereinfacht gesprochen durch ein Sieb, in dem diese Partikel hängen bleiben. Etwa alle 500km (je nach Fahrzeug und DPF natürlich) werden die Partikel im DPF verbrannt. Das geschieht durch ein, vom Fahrer unbemerkten, erhöhen der Abgastemperatur. Im normalen Betrieb kein Problem.

Schwefel hat aber die unschöne Eigenschaft ein „Rußförderer“ zu sein. D.h. dass mehr Ruß entsteht, als beim Freibrennen entfernt werden kann. Das kann zum Verstopfen des DPF führen, was wiederrum zu einem erhöhten Druck im Abgassystem führt. Das bedeutet dann eine erhöhte Motortemperatur, Leistungsverlust und belastet auch andere Teile des Motors (u.a. kann die Welle des Turbos stark belastet werden). Das Fahrzeug wird dies meist zusätzlich mit dem Leuchten der Motorkontrollampe quittieren.

Im schlimmsten Fall, insbesondere, wenn man einen Motor nach EURO6 fährt, kann es zur Verweigerung des Startens oder zur Zwangsabschaltung des Motors führen, weil die Abgaswerte nicht mehr eingehalten werden können.

AGR-Ventil

Das AGR-Ventil leitet einen Teil der Abgase zurück in den Verbrennungsraum, damit sie dort erneut verbrannt werden können und der Schadstoffausstoß so verringert wird. Durch den zusätzlichen Schwefel kann das Ventil verkoken und schlussendlich festsitzen. Im geöffneten Zustand ist das weniger ein Problem und wird meist nur mit der Motorkontrolllampe quittiert. Im geschlossenen Zustand kann es zu einem deutlichen Leistungsverlust kommen.

Außerdem kann der erhöhte Schwefel oder Rußanteil im Abgasstrom zu Korrosion im Ansaugtrakt des Motors führen, was wiederum zu weiteren Schäden führen kann.

 

Wo findet man welche Schwefelwerte im Diesel?

Wie schon mehrfach erwähnt ist der Diesel in Kanada und den USA kein Problem.

Es gibt online eine Karte mit einer Übersicht über die Schwefelwerte im Diesel in den einzelnen Ländern.

Siehe hier: UNEP Schwefel-Karte

 

Mexiko

In Mexiko wird es da schon schwieriger. Zwar hat die mexikanische Regierung bereits im Jahr beschlossen landesweit Diesel mit 50ppm Schwefel einzuführen. Zum Zeitpunkt unserer Reise wurde das aber auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr 2025 geschoben.

Außerdem findet man bei den mexikanischen Tankstellen keinen Hinweis auf den Schwefelanteil im Diesel (weder in ppm noch als Ultra low sulphur Diesel (ULSD) oder auf spanisch: Ultra bajo en azufre).

Hier wird sich das Problem aber hoffentlich in naher Zukunft selbst lösen.

Belize

Der Karte nach ist Belize nach wie vor ein Land mit hohen Schwefelwerten im Diesel. An den Tankstellen findet sich kein Hinweis auf den Schwefelgehalt. Wir haben hier nur 1x tanken müssen und waren uns zu diesem Zeitpunkt der Problematik noch nicht bewusst.

Guatemala

In Guatemala ist uns das Ganze mit dem Schwefel überthaupt erst aufgefallen. Auf dem Weg von Tikal nach Rio Dulce sind wir an einigen UNO Tankstellen vorbeigekommen, die ULSDiesel im Angebot hatten.

In Guatemala gibt es schon seit ein paar Jahren Diesel mit 50ppm. Aber nicht flächendeckend!

Angeboten wird er sowohl bei Tankstellen von UNO (als ULSDiesel con Dynamax+) und von PUMA (als ION Diesel). Man findet entsprechende Tankstellen allerdings nur in den größeren Städten und dann auch nur vereinzelt. Eine Liste mit den Städten konnten wir nicht finden. Auch auf Nachfrage bei PUMA & UNO haben wir bislang noch keine Antwort erhalten.

El Salvador

Auch in El Salvador findet man vereinzelt Tankstellen von UNO, die ULSD anbieten. Unter anderem in Santa Ana und in San Miguel. Puma bietet in El Salvador keinen ION-Diesel an.

Honduras

Laut der Internetseite von UNO soll es in Honduras ebenfalls ULSDiesel geben. Auch hier haben wir mehrfach nachgefragt bei UNO, bislang ohne Ergebnis. Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass zumindest in den Metropolen San Pedro Sula und Tegucigalpa Tankstellen diesen Diesel anbieten. Wir haben verschiedenste Tankstellen angesteuert, aber nirgends den ULSDiesel finden können. Sobald wir eine andere Info dazu haben, aktualisieren wir den Beitrag.

Nicaragua

Nicaragua ist neben Belize eins der Lateinamerikanischen Länder, in denen die Sache mit dem Schwefel im Diesel besonders schwierig wird. Es gibt einige Tankstellen des UNO-Netzes, die Diesel con Dynamax+ anbieten (hier mit einem grauen Logo und auch mal als „Diesel Super“ ausgeschildert), sowie Diesel Aditivo (hier mit einem grünen Logo). Beide werden als „Bajo en Azufre“ (also schwefelarm mit 500ppm) ausgeschildert und unterscheiden sich preislich auch nur minimal. Der genaue Unterscheid erschließt sich nicht, wir tanken aber den „Diesel Super“.

An anderen Tankstellen findet man meist gar keinen Hinweis auf den Schwefelwert.

Costa Rica & Panama

Sowohl in Costa Rica als auch in Panama enthält der Diesel maximal 50ppm Schwefel und es sollte keine Probleme bei der Versorgung geben.

 

 

Wie kann man dem Problem vorbeugen?

Es gibt ein paar Gegenmaßnahmen, die man ergreifen kann, damit man keine Probleme bekommt.

Nachfragen bei den Tankwarten ist meist ziellos. Die meisten wissen gar nicht, worüber man spricht und sagen einfach ja. Der Tankwart in allen Ehren, aber einen wirklichen Plan haben die Mitarbeiter nicht.

 

Goldlösung:

Ausbau vom DPF und Einbau eines „Leerrohrs“ sowie Umprogrammierung vom Steuergerät. Damit entgeht man dem ganzen Problem mit dem DPF. Das Problem der Korrosion bleibt natürlich, aber das lässt sich vielleicht besser in den Griff bekommen.

Achtung: Durch solche Maßnahmen erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs in Deutschland!

 

Routenplanung:

Wer diesen drastischen Schritt nicht geht, für den bleibt also nur die Recherche im Netz, nach entsprechenden Tankstellen. Wir haben einige bei iOverlander eingetragen gefunden und auch einige selbst eingetragen, um anderen bei der suchen ach geeignetem Diesel zu helfen. So kann man zumindest ein wenig seine Route planen und damit dem Problem etwas aus dem Weg gehen.

Solltet ihr Reservekanister dabeihaben, empfiehlt es sich diese bei jeder Gelegenheit nachzufüllen, so könnt ihr eure Reichweite deutlich steigern, um ggf. zur nächsten Tankstelle mit ULSD zu kommen.

 

Anpassen der Fahrweise:

Häufiges schnelles, kurzes Beschleunigen fördert die Rußbildung. Besser stetig mit erhöhter Drehzahl fahren. Uns wurde empfohlen für mind. 20 min mit über 2500 U/min zu fahren.

Das erhöht die Abgastemperatur, was mehr Partikel verbrennen sollte.

 

Verwendung von Additiven:

Uns wurde von vielen anderen empfohlen dem Diesel häufiger Additive hinzuzugeben. Unter anderem Systemreiniger, spezielle DPF-Reiniger und andere. Diese erhöhen die Cetanzahl (erhöht die Zündwilligkeit des Diesels und vermindert das „Nageln“) und verringern das Rußen des Kraftstoffs. Außerdem verbessern sie die Schmierung und reinigen Ventile und Düsen. Damit lässt sich auch der erhöhten Korrosion und dem verkoken der Ventile durch den Schwefel vorbeugen.

Wichtig: Ihr solltet nach Möglichkeit nur Additive von namhaftem Herstellen wie LiquiMoly oder ähnlichen verwenden.

Wir haben häufig diese Additive verwendet:

Liqui Moly Diesel Partikelfilter Schutz*

Liqui Moly SPEED Tec Diesel Additiv*

Liqui Moly Diesel Systemreiniger*

 

 

Verringerung von Ölwechselintervallen:

Zu bedenken ist, dass das Öl in modernen Motoren eine noch entscheidendere Rolle spielt als früher. Insbesondere „Longlifeöle“ verändern ihre Eigenschaften durch den erhöhten Schwefelanteil, da sie einen Teil des Schwefels aufnehmen. Wo normalerweise Wechselintervalle von 30.000 km möglich sind, sollten Wechselintervalle jetzt kürzer ausfallen. Auch der Dieselfilter sollte in kürzeren Abständen getauscht werden.

Wir haben nach ca. 15.000 km das Öl, sowie Öl- und Dieselfilter gewechselt. Damit sind wir von Mexiko bis nach Costa Rica gekommen.

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2 Antworten

  1. Hallo ihr beiden…Wir hoffen ihr habt immer noch eine schöne Reise.
    Wir..Susi und Marcus wollen nächstes Jahr auch aufbrechen…1 Jahr Auszeit und mit dem T5 von Halifax bis Südamerika…so weit wir kommen. Bei den Vorbereitungen habenn wir schon die erste kleine Hürde. So wie Ihr auch, möchten wir unser Kennzeichen behalten…das wir dafür in Deutschland weiter Steuern zahlen müssen ist klar…jetzt ist aber eher die Kfz Versicherung das Problem…ich hatte gehofft, diese für den zeitlichen vertraglich begrenzten Vertrag einfach „auszusetzen „. Das wird von dieser aber abgelehnt…Argumente der Versicherung: aussetzen oder nicht Kfz versichert sein muss an die Zulassungsstelle gemeldet werden-> damit entfernen der Plakette auf dem Kennzeichen und somit erlischt dieses.
    Wie habt ihr das gelöst…zahlt ihr einfach weiter in deutschland die Versicherung?
    Und dann gleich noch die 2. Frage:
    Ist es immer noch so, dass man in Südamerika nur mit spanischen weiter kommt, oder ist englisch mittlerweile auch da angekommen…zumindest bei Polizei und Grenzübergangen?
    Wie habt ihr euch auf das spanischen vorbereitet?

    Wir freuen uns von euch zu hören.

    Viele Grüße und immer schöne Erlebnisse

    Susi und Marcus

    1. Hallo ihr lieben und vielen Dank erstmal für euren Kommentar. Unsere Reise liegt jetzt schon fast 2 Jahre hinter uns (total irre. Ist aber noch so, als wäre es gestern gewesen)

      Wir haben tatsächlich auch weitergezahlt bei der Versicherung. Wenn der Versicherer hier nicht mitspielt bleibt einem da wenig anderes übrig. Wir hatten unsere originalen Kennzeichen dran gelassen und mit diebstahlsicheren Schrauben gesichert. Rückblickend betrachtet total bescheuert und würden wir so auch nicht mehr machen. Einfach welche nachmachen und sobald das Auto im Hafen abgegeben ist, die originalen tauschen.
      Im Ausland braucht man ja keine Plaketten.

      Man könnte dann mit den originalen Kennzeichen das Auto ja auch abmelden. Bei neueren Kennzeichen und Fahrzeugschein sind ja QR-Codes vorhanden. Den Fahrzeugschein behält man dann. Ich bezweifle stark, dass ein „aufgerubbeltes“ Feld auf dem Fahrzeugschein jemanden im Ausland interessiert, wenn es denn überhaupt auffällt. Die Offiziellen dort kennen sich trotz der vielen Reisenden nicht mit den Gesetzten der Ursprungsländer aus. (Das ist natürlich keine Garantie, aber so war unsere Erfahrung an jeder Grenze). Da man eh immer eine lokale Versicherung abschließt.

      Man muss dann nur dran denken frühzeitig bei der Rückkehr das Auto wieder korrekt anzumelden, da man ja eine Versicherung und Zulassung braucht, sobald man den Hafen verlässt.

      Da wir es nur bis Panama in unserem Jahr geschafft haben, können wir leider nichts zur Lage in Südamerika sagen.
      In Mittelamerika sollte man zumindest Basiskenntnisse in Spanisch haben, außer in Belize, da wird ja Englisch gesprochen.
      Man trifft immer wieder auf Expats und Aussteiger, die auch Englisch sprechen und einem ggf. Etwas helfen können, wenn man mal nicht weiter kommt, aber allgemein spricht die Bevölkerung nur spanisch. In Nicaragua an der Atlantikküste hatten wir ab und an jemanden, der auch gut englisch spricht, weil es dort viele Menschen gibt, die mit Creol aufgewachsen sind, das ost aber wohl eher die Ausnahme.
      Louisa spricht sehr gut Spanisch und hat viel dadurch regeln können.
      Ich hab ein paar Kurse an der Volkshochschule gemacht und Vokabeln gelernt. Der Rest kommt mit dem Ausprobieren. Auch wenn die Gespräche holprig sind, wegen fehlender Wörter und schlechter Grammatik, freuen sich die meisten, wenn man es dennoch probiert. Der Rest geht auch klassisch mit Händen und Füßen.

      Wir wünschen euch schon jetzt ganz viel Spaß bei eurer Reise, viele interessante Begegnungen und eine spannende Vorbereitungszeit. Die hat mir auch viel Freude gemacht.

      Wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr immer gerne schreiben.

      Viele Grüße Stefan

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